Ländliche jüdische Küche
Der Schlachtviehhändler Albert Weil 1910 in Zürich: Seine Familie stammt aus dem Schweizer Surbtal. Er hingegen findet sein Auskommen in der Fleischversorgung der aufstrebenden Stadt.
© Florence Guggenheim Archiv c/o Dr. Ralph Weingarten
Die ländliche jüdische Küche ist von den religiösen Speisevorschriften ebenso geprägt wie von der Kochkunst ihrer christlichen Umgebung. In dieser Geschichte werden neben der Entwicklung des Landjudentums und dem Alltag der Wanderhändler auch zahlreiche Rezepte aus dem süddeutschen Raum und der Schweiz vorgestellt.
Nach den Vertreibungen aus den Städten suchten viele Juden im Verlauf des 15. Jahrhunderts Zuflucht auf dem Land. Sie arbeiteten als Wanderhändler und verkauften Kleiderbänder, Knöpfe, Stoffe und andere leicht transportable Waren, mit denen sie von Tür zu Tür zogen.
Vor dem Pessach-Fest wird das Haus nach Gesäuertem (Chamez) abgesucht. Der Chamez wird anschließend verbrannt. Das Bild zeigt ein Chamez-Feuer im württembergischen Baisingen, 1920er Jahre.
© Dr. Fredy Kahn
Andere handelten mit Vieh oder Pferden. Auch sie waren viel unterwegs. Um auf ihren Reisen die jüdischen Speisegesetze einhalten zu können, beschränkten sie sich bei ihren Mahlzeiten in christlichen Gasthäusern auf gekochte Eier und rohes Gemüse.
Umso reichhaltiger und fleischlastiger fielen die in der heimischen koscheren Küche zubereiteten Speisen am Schabbat aus. Viele alte Originalrezepte, unter anderem aus dem Kochbuch der Familie Bloch, vermitteln einen Eindruck von diesen festlichen Mahlzeiten.
An den Feiertagen kommen besondere Gerichte auf den Tisch. So darf in der Pessachzeit, in der des Auszugs aus Ägypten gedacht wird, nichts Gesäuertes gegessen, ja nicht einmal im Haus aufbewahrt werden.
Wie jüdisches, ländliches Leben heutzutage aussehen kann, zeigen Ausschnitte aus dem Dokumentarfilm »Die Schweizer Judendörfer« von Peter Neumann.
Gedicht von Michy Bollag über das Pessachfest und dessen Vorbereitungen, gelesen in Schweizerdeutsch von Uri Kaufmann

